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Zwei Traditionsturniere finden zusammen

Bericht aus dem St. Galler Tagblatt von Fritz Bischoff vom 25.05.2020

Der SV Fides und der LC Brühl spannen dieses Jahr für ihre Handball-Schülerturniere zusammen. Die Coronakrise hat sie geeint.

Die Einschränkungen in der Coronakrise sind vielschichtig und umfassend. Der Sport ist in den vergangenen zwei Monaten praktisch zum Erliegen gekommen. Und zwar nicht nur der Spitzensport, sondern ebenso der Breiten- und Jugendsport. Für Kinder und Jugendliche fiel die sportliche Betätigung nicht nur in der Schule aus. Sie hatten keine Möglichkeiten mehr, sich in den Vereinen oder bei sportlichen Wettkämpfen zu messen. Schon vor einigen Wochen wurde klar, dass auch das 55. Schülerhandballturnier des SV Fides am 13. und 14. Juni nicht durchgeführt werden kann. Der Turnierverantwortliche Thomas Corradini sagt: «Das Turnier in diesem Jahr einfach ausfallen zu lassen, war für uns keine Lösung. Wir  suchten Lösungen, um es den Jugendlichen trotzdem zu ermöglichen.» Zuerst wurde eine Verschiebung in den September angedacht. Schnell zeigte sich jedoch, dass diese Variante wegen Platz- und Hallenproblemen nur schwer zu realisieren sein dürfte. Und das Fides­turnier nach den Herbstferien anzusetzen, kam nicht in Frage. Denn im November findet jeweils das Handballschülerturnier des LC Brühl statt.

Gemeinsam, miteinander und füreinander

Damit war auch schon die Idee geboren, allenfalls die beiden traditionellen Turniere zu vereinen. «Ich ging deshalb auf den LC Brühl zu, um vielleicht gemeinsam für die Schülerinnen und Schüler ein Turnier organisieren zu können», sagt Thomas Corradini. Bei den St.Galler Handballerinnen stiess er mit seinem Anliegen auf offene Ohren. «Es war uns sofort klar, dass wir für die Kinder eine optimale Lösung anstreben wollten – miteinander und füreinander wollen wir den sportlichen Wettkampf für die Jugendlichen möglich machen», sagt Stefanie Brüderli, die Organisationsverantwortliche der Handballschüeleri. Wie sich die endgültige Lösung präsentieren wird, ist noch nicht entschieden. Die beiden Turniere mit je 130 Teams zu einem Turnier zusammenführen, ist keine Option. «Das würde alle Kapazitäten sprengen», sagt Brüderli. Man wolle aber auf jeden Fall den Jugendlichen den sportlichen Wettkampf ermöglichen. Lösungsansätze könnten sein – sofern dies die Coronavorschriften zulassen –, dass der SV Fides und der LC Brühl Mitte November an einem Wochenende zuerst ein Turnier für die Primarstufe und dann eines für die Oberstufe organisieren oder auf Mittwochnachmittage ausweichen. Brüderli und Corradini sind zuversichtlich, eine Lösung zu finden: «Wir sind Partner für eine sinnvolle Sache und keine Konkurrenten.»

Eine lange und erfolgreiche Geschichte

Traditionsturniere. Die vom LC Brühl organisierte «Handballschüeleri» und das vom SV Fides organisierte «Fidesturnier» blicken auf eine lange Tradition zurück. Bereits die 55. Austragung stünde beim SV Fides in diesem Jahr an. Seinen Ursprung hat das Turnier dort, wo der SV Fides seine Wurzeln hat – im Quartier Buchwald-Heiligkreuz. Es war im Jahre 1966 und damit in dem Jahr als die erste Mannschaft des SV Fides erstmals in die Nationalliga A aufstieg, als beim Schulhaus Buchwald ein Quartierfest mit Musik und Unterhaltung organsiert wurde. Da in den neu erstellten Turnhallen auch Garderoben zur Verfügung standen, entschlossen sich einige Fidesler ein Schüler-Handballturnier für Knaben vom fünften bis zum neunten Schuljahr auszuschreiben. Angesichts der handballerischen Hochblüte in der Stadt St. Gallen mit den Spitzenvereinen St. Otmar, STV St. Gallen, BTV St. Gallen und dem SV Fides war der grosse Zuspruch der Jugendlichen kaum erstaunlich. Schon 1968 erfolgte der Wechsel vom Buchwald hinüber zu den Sportanlagen Halden, wo das Platzangebot weit grosszügiger war. 1982 wurde mit 227 Teams seine Rekordmarke erreicht. Mittlerweile haben sich die Werte bei etwa 130 Teams eingependelt, was immer noch eines der grössten Handballturniere der Schweiz ist.

70 Jahre Handballschüeleri

Eine noch weiter zurückreichende Geschichte hat die Handballschüeleri. Ihr Anfang findet sich im Jahre 1950 – also zu der Zeit, in der auf Initiative des BTV St.Gallen die erste St.Galler Hallenhandballmeisterschaft in der legendären OLMA-Halle 6 ausgetragen wurde. Der Lehrerturnverein der Stadt St.Gallen war für die Durchführung der «Schüeleri» verantwortlich. Max Dörig übernahm von 1957 bis 1967 die Turnierorganisation. «Gespielt wurde auch in der OLMA-Halle und der Preis für die Sieger war jeweils eine Tafel Schokolade der Maestrani», erinnert sich der 84-jährige. Später wurde dann in verschiedenen städtischen Turnhallen – vor allem aber in der Steinachhalle gespielt. 1995 ging die Organisation der Handballschüeleri, die zu einem Turnier der Primarschulen geworden ist, an den LC Brühl über, womit die Handballerinnen in diesem Jahr ihr 25-jähriges Organisations-Jubiläum feiern können.